Sommerfrische in Balve - Gästebuch 1905-1911

Auszüge aus dem Gästebuch eines Balver Gasthofs
aus den Jahren 1905 bis 1911. 
 

Ein Jahr nach dem letzten Eintrag brachte der Bau der Hönnetalbahn (Einweihung 1912) zunehmend Tourismus und Wandervögel in das vormals sehr abgeschiedene kurkölnische Hönnetal. Bis dahin gab es nur die Postkutsche als öffentlichen Personennahverkehr. Somit wurde nach Balve gewandert. Auf "Schusters Rappen", wie es damals hieß.

 

 

 

Es lebe das Leben! Finis omnis coronat! Et respice finem!

Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang.


Die Sonne sticht und bräunt und lacht. Halb hat sie uns schon umgebracht.

Nur eines stärkt den schwachen Mut: Das Balver Bier war gut.

Es lebe der Wein. Auch Weib und Gesang! Trink einen Boonenkamp!

Es lebe die Liebe der Leichtsinn und der Suff. 

Stenographenverein vom Paulinum Münster/W

All Heil! Ihr waldbekränzten Berge! Du silberheller Hönnefluss!

Grüß euch Gott! Ich kehre wieder. Schwenk die Mütze hier zum Gruss!

Wir kamen nach Balve, an den Füßen Salbe

den Magen leer, die Beine schwer!

Doch alle Schmerzen sind weg vom Herzen,

seitdem uns hier erquíckt das Bier.

Vor allem das Essen ist nicht zu vergessen,

das Tröpfchen Wein, so klar und rein.

Echte Ritter vom Genieland haben nie Credit begehrt

Schiller, Goethe, Lessing, Wieland zahlten bar, was sie verzehrt.


Schön ist´s im Hönnetal, doch der Regen ist eine Qual

Waren nass bis auf die Knochen. Aber doch noch nicht besoffen.

Endlich hatten wir nass wie Hunde uns bei Allhoffs eingefunden

Wurden freundlich aufgenommen, denken bald ans Wiederkommen.


 

Glück und Segen auf der Welt. Und hernach das Himmelszelt,

wünsche ich allen, die hier einkehren

und reichlich was verzehren,

denn das Leben ist gar doch nur ein Spiel

und kommt man schnell genug zum Ziel.

Drum rate ich jedem, so zu leben

dass er sich vor seinen Mitmenschen

nicht braucht zu schämen.

Gewidmet von einem stets wiederkehrenden Wanderer.

Nicht rasten nicht rosten,

Frohsinn und Weisheit kosten,

Durst löschen, wenn er brennt.

Die Sorgen verscheuchen mit Scherzen

Wer´s kann, der bleibt im Herzen 

Zeitlebens ein Student.

Balve "Restaurant Allhoff" 20. Mai 1907


Wir drei aus der Mark

sind kräftig und stark

Wenn gemütlich

wir sitzen beim Bier.

Doch die Luft in den Talen

wir gerne bezahlen

Mit vielem Schweiß

auf fröhlicher Reis.


Von Beckum kamen drei: Oh weh!

Vom Laufen taten die Beine weh,

wir wollten hier uns zünftig laben.

In Beckum ist nämlich nichts zu haben.

Drum bedaure ich zum Schluss

Jeden, der nach Beckum muss!

Zur Erinnerung an die Männer(?)

und den Abstieg(?) von Beckum nach Balve.


Vier Wanderer von Essen,

haben hier gut geschlafen und gegessen

Dann zogen sie mit vergnügtem Sinn

direktenwegs nach Hüsten hin.

Wir sitzen hier friedlich,

es ist hier ganz niedlich.

Und so nebenher 

lieben wir die Mädel sehr.

Ob rund oder schmahl

das ist uns egal.

Ob jung oder alt

das lässt uns kalt.

Wir lieben sie alle. Buff! (Kraftausdruck! Mit 10 PS hervorzubringen)

Unser Leben ist Liebe und Suff.

Obersekundaner gymnasii...


In die Berge musst du reisen

Willst du Freiheit sehn.

Aber oft bei teuren Preisen

Ist nicht alles schön.


Oh Nacht, nun nimm dein Kind zurück.

Ich habe genossen das irdische Glück. 

Ich habe gelebt und geliebet.

Radtour von Menden nach Balve.


Wir sind hier so gut aufgenommen!

Und denken gern ans Wiederkommen.

Bei Allhoffs, da ist´s so schön

Auf frohes baldiges Wiedersehen.


Als wir von Hemer kamen

fingen wir fast an zu lahmen.

Kehrten hier sehr müde ein

und logierten hier recht fein!

Wir werden stets Balve gedenken

Bei Wiederkehr unsere Schritte hierher lenken.


Club Edelweiß zog mit Sang und Klang,

hinaus ins Hönnethal entlang.

Die Hönne ist ein schöner Fluss,

wir zogen nach Balve, es war ein Genuss.

2. Die Balver Höhle ist fabelhaft schön,

wir zogen herein um sie zu besehn,

ein schönes Lied wurde gesungen,

das hat in der Höhle sehr schön geklungen.

3. In der ersten Schenke wurde Halt gemacht.

Das Bier, es hatte furchtbar Kraft.

Wir zogen hinein in unser Quartier,

um zu essen und trinken Iserlohner Bier.


Faste nie, raste nie,

sonst haste die Neurasthenie


Auf den Bergen ist Freiheit,

der Hauch der Grüfte

Steigt nicht in die reineren Lüfte;

Die Welt ist vollkommen überall

Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.

 

Neide dem, der höher steht

nicht sein Glück und sei zufrieden

Ein jeder Mensch trägt sein Paket.

Nur die Packung ist verschieden.


Wo ich gehe, sitz und bin

denk ich dein mit frohem Sinn.

 

Wir zogen aus so fröhlich,

Im schönen Sonnenschein.

Und kehrten voller Freude

In diese Halle ein.

Wo uns ein guter Tropfen

Erfrischte uns von unserer Pein

Denn alle waren durstig.

Er wurde dann gestillt

beim rechten Glase Bier.


Weil es regnet, kehrten wir hier ein.

Dessenungeachtet

wollen wir lustig sein.


Eck genk von Schwerte no Balve

Und as mi en Stück vom Kalwe

Drunk mi dobei ne Halwe,

Schmär mi de Feite mit Salwe

Und genk wir weg van Balve.

Pfiffax Robinson

Einsiedler der Reckenhöhle


Was nutzt der hellste Sonneschein

wenn Wolken ihn betrüben.

So denket manches Mägdelein

Auch ich denk so vom Lieben.


Zu zweien bracht uns der Krieg hierher

Fanden Gastfreundschaft beim Cartellbruder

Er gab uns freundlich die Bruderhand

Wir tranken auf den Cartellverband.


Auf einer herrlichen Sauerlandtour

kehrten Fritz und Karl Richter

hier im gastlichen Hause ein.

Schluss am Bosborus.


Andere Leute sind scheußlich.

Die einzige mögliche Gesellschaft

ist man selbst. 

... lächerlich, ...Blödsinn, ...großer Quatsch.

Der Schreiber dieser Lebensregel

hat einen Fimmel.

Ich schließe mich den obigen Zeilen an.

Die Sauerländer sind einfach scheußlich.

...hier sind alle nicht recht bei Troste.


Jungs, holt fast

Up ewig ungedeelt,

Et leev dat schöne Hönnethal.

R. Fedder ut Kiel


Wie schuf doch Gott die Welt so schön

O Wanderer bet ihn an.

Sollt dir´s auch noch so schlecht ergehn

Bet! Er hilft dir dann.

 

Wir beten: Um Gottes willen keine Sonne mehr.

Das macht das Leben gar zu schwer.

Sonst alles süsse Sache.


Der St. Josephs-Verein Hemer

machte am Himmelsfahrtstage 1910 

einen Ausflug nach dem schönen

romantischen Balve und kehrte ein

in dieses gastliche Haus.


Balve den 3/4 Oktober 1909

Hoch droben vom Walde froh und munter

Schritten zwei Wanderer zum Tal herunter,

Sie hatten durchquert das Sauerland

Wurden mit Land und Leuten bekannt.

 

Von der Heimatstadt Hagen wir gingen vor,

stiegen über Nordhelle, Attendorn zum Astenberg empor.

Hier wurde gewandert, und gar bald

wurde durchschritten und weiter der Teutoburgerwald.

"Herrmann" wurde gegrüßt, dann in froher Weise

In Detmold angetreten die Heimreise.

Über Paderborn, Büren, Rüthen gings

Nach Kallenhardt, Warstein und in Arnsberg halblinks.

Im Sonnenschein(?) bald Balve winkte.

Hurtig voran, keiner hinkte.

Herein in Allhoffs gastliches Haus,

wo bald wir schauten zum Fenster hinaus.

Ein herziges liebes Mägdelein

Herrichtete den Tisch, bei freundlichen Worten

gar herrlich und fein.

Ihrer wir noch oft gedenken

Wohin wir auch unsere Schritte lenken.

Im Bette, da schlief es sich nette,

Auch das Frühstück war gut und fette

Dieses dem Hause Allhoff als Dank und Abschiedsworte

Auf Wiedersehen an diesem Orte

Ludwig Hinte und Ernst Rademacher.


Es waren fünf muntere Gesellen

die hatten keine Not.

Sie zogen fort nach Balve,

und aßen Zucker und Brot.

Sie wollten auch mal reimen

und fanden keinen Stoff.

und wenn Sie nichts dagegen haben,

sie waren aus Werdohl.


Ich kommen weither

zu besichtigen das Felsenmeer.

Doch das romantische Hönnetal ging vor,

und das Felsenmeer konnte mich blasen auf´s Ohr.

Auf baldiges Wiedersehen.


Ein vernünftiges Gedicht weiß ich nicht.

Drum schweig ich still und sage nichts.


Prof. Dr. Sasse 

und 28 Schüler des königlichen Gymnasiums

zu Bochum. 9. Juli anno 1912.


Ich sah dich und ich liebte dich.

Warum ich weiß es kaum.

Seit jener Stunde geh ich nur

als wie im Traum.

 

Rastlos wie der Athemzug,

heiß und inniglich

Schneller wie des Vogels Flug

möcht ich küssen dich.

Eine Verliebte

 

...wenden Sie sich bitte an 

den Hohenlimburger auf

der letzten Seite, dieser versteht es.


Freund hast du gehört

vom Hönnetal? Dem schönsten Tale im Lande.

Kannst du ermessen die große Zahl

die geknüpft hier die innigen Bande?

In diesem Tale wo die Freundschaft thront,

wo die Misten duften und die Treue thront

kneipen heute bei Wurf und Lieder

zehn durstige Iserlohner Kegelbrüder.

Rosen und Nelken

beide verwelken.

Es wachse und blühe der F.A.C. Gut Holz!


In deinen Augen habe ich´s gesehen

was mir dein Mund verborgen hat.


Schon manchen Ort durft ich bewundern.

Doch werd ich niemals diesen Tag vergessen

wo ich im lieben Balve

zu Mittag hab gegessen.

H´limburg Graf Carl Becker

Alexander Linnepe

Fritz Lindemann

Balve Pfingsten 1911