Zum Schutz des Hönnetals

Durch die vielen rastlosen Bemühungen unseres Herrn Bürgermeisters kommt endlich etwas Bewegung in die Hönnetalangelegenheit, da am kommenden Montag derzeitige Vorstand der Westfälischen Kommission für Heimatschutz Herr Dipl.-Ing. Sonnen aus Münster und Herr Baron von Kerkerin-Borg hier eintreffen werden, um unter Führung des Herrn Bürgermeisters Dr. Overhues eine Besichtigung der gefährdeten Teile des Hönnetals vorzunehmen. Wir dürfen wohl mit Recht annehmen, dass diese Herren ihren vollen Einfluss geltend machen, damit der Verheerung Einhalt geboten wird.  

Es dürfte unsere Leser gewiss interessieren, dass die Deutschen Zeitschriften für Natur-und Heimatschutz den bedrohten Hönnetal die größte Aufmerksamkeit entgegenbringen und nach Kräften für seine Erhaltung eintreten. Der "Kunstwart" (Dr. F. Avenarius, Dresden-Blasewitz) hat in einer sehr beachtenswerten Notiz, die wir bereits an dieser Stelle veröffentlicht haben, auf das gefährdete Tal hingewiesen.

- Der "Vortrupp“, Halbmonatsschrift für das Deutschtum unserer Zeit (Dr. jur.  Hermann M. Popert, Hamburg und Kapitänleutnant a.D. Hans Paasche, Berlin), brachte es in seinem ersten Juniheft einen mit Begeisterung und  Heimatliebe geschriebenen Artikel der „Westdeutschen Volkszeitung“,  Hagen i. W., unter dem Titel: „Ein Wort für das der Zerstörung geweihte Hönnetal“.

- Aus einigen Zuschriften gestatten wir uns einige bemerkenswerte Sätze wiederzugeben: „Deutschland“, Zeitschrift zur Pflege von Heimatkunde und Heimatliebe (Verlagsanstalt, Düsseldorf), schreibt: „betrachte es selbst verständlich als unsere vornehmsten Aufgabe und Pflicht, die deutsche Heimat zu schützen, wo immer es  gefordert wird, haben auch noch in der Sauerland-Nummer unserem Bedauern Ausdruck gegeben, dass die Schönheit des Hönnetals durch die Kalkindustrie mehr und mehr zerstört wird... Sie können unsere Hilfe  versichert sein. Nur bitten wir, uns über die Angelegenheit auf dem Laufenden halten zu wollen...".

- Der "Kosmos“, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart (Mitgliederzahl 106.000), schreibt: “Wir verkennen nicht die Notwendigkeit, dass das bedrohte Tal geschützt werden  muss und dass die Bestrebung von modern fortschrittlich denkender Vereinigung unterstützt werden muss. Leider zwingt uns unsere Riesenauflage, mit dem Druck der "Kosmos“-Hefte schon 1-2 Monate vorher zu beginnen, und wir können ihren Aufruf er später in unseren Leser kreis lancieren. Nun gibt aber unser Verlag, wie Ihnen vielleicht bekannt ist, eine von hunderten von Zeitungen mit Vorliebe benutzte Korrespondenz heraus, und wir haben die Schriftleitung gebeten, den Aufruf in gekürzter Form in einer der nächsten Nummern veröffentlichen zu wollen. Ihre Bestrebungen werden dadurch bei Hunderttausenden bekannt. Der Erfolg dürfte also dort noch größer sein als in unserem "Kosmos"- Handweiser.

- Die "Natur“ (Dr. Friedrich Knauer, Wien) schreibt: „Ich bestätige den Empfang Ihres genannten Schreibens vom 23. desselben mit den beiden Anlagen für die "Naturschutzrubrik" der "Natur“. Da die Rubrik für Nr. 21 sich schon im Satz befindet, werde ich den Artikel über das „Hönnetal“ für Nr. 23 in Vorschlag bringen. Ich werde aber schon früher in anderen von mir begründeten Naturschutzrubriken, so in „Natur und Kultur“, Monatsschrift für naturwissenschaftlichen Unterricht, in Ihrem Sinne auf die dringliche Schützung des Naturdenkmals hinweisen. Jederzeit gerne bereit, für die verschiedentlichen Desideria der Naturschutzsache nach Kräften einzutreten, bitte ich auch in Zukunft um einschlägige Mitteilungen".

- "Aus der Natur“, Zeitschrift für den naturwissenschaftlichen und ihr erdkundlichen Unterricht (Prof. Dr.  Schönichen, Friedeman bei Berlin), will durch einen illustrierten Artikel für den Schutz des Hönnetals eintreten.

- Ebenso will „unsere Welt“, Godesberg, zur besseren Wirksamkeit unseren Aufruf verbreiten.

Wir erwähnen noch den "Sauerländischen Gebirgsführer" und „Niedersachsen“ (Hans Pfeiffer Bremen) die unseren Aufruf bereits veröffentlicht haben. 

Im Interesse der deutschen Heimatschutzbewegung halten wir es für überaus wichtig, dass Zeitschriften, die in der Bewegung eine führende Rolle einnehmen und in die weitesten Kreise dringen, auf die Gesuche hinweisen. Nur dann kommen wir auf einem Gebiet, auf dem allgemein noch recht viel Unkenntnis und Gleichgültigkeit herrscht, ein Stück weiter. Es ist eine traurige, eine wahrhaft beängstigende Tatsache, dass wir trotz all der blendenden Errungenschaften unserer Zivilisation innerlich ärmer werden, dass die Menschheit von heute, die in gewaltigem Maße Erde, Luft und Wasser zu beherrschen, alle Naturkräfte sich dienstbar zu machen und die Schätze der Erde in raffinierter Weise auszubeuten versteht, diejenigen Werke mehr und mehr verkümmern lässt, die dem Menschen seine Hoheit und Würde geben: Die Kräfte des ????? der Natur ist und war um des Nutzens willen da, und alles, was der "fortschreitenden Kultur“ im Wege zu sein scheint, muss untergehen. Den Boden der Heimat schätzt man nur als Objekt der Spekulation, den Wald, weil er Holz liefert, Felder und Wiesen um ihre Erträge, das Vieh um seines Fleischwertes willen. Die Liebe zur Natur und die Achtung vor ihren Wunderwerken ist dem heutigen Geschlecht abhandengekommen. Der „Dürer-Bund“ klagt in einer seiner letzten Ausgaben zur Ausdruckskultur: “Die Naturschönheit unserer Lande ist in der Abnahme begriffen, und der Gedanke dass es so weitergehen kann, erweckt ein beängstigendes Gefühl. Die Machtlosigkeit gegenüber einer derart planierenden, alles gleichmachenden Kultur schreit laut nach Hilfe“. Der Verlust ist groß und trifft nicht nur den Naturfreund, nein, er dringt bis in die Wurzeln der Volkskraft. Eine Verödung der Natur bringt eine Verödung der Volksseele, eine Schwächung der Volkskraft mit sich. Darum muss jeder, der seinem Volk ein langes Leben wünscht, daraufhin erwarten, dass die Landschaft in all ihren großen und kleinen Reizen erhalten bleibt.“ „Wir haben ein Recht, die Welt schön zu erhalten". Es handelt sich hier wirklich um eine wichtige Kulturforderung, die nicht nur auf die Erhaltung der Natur und ihrer Schönheit, sondern zugleich auf die Verfeinerung des menschlichen Herzens gerichtet ist, um eine Betätigung, die Frieden, Gesittung und Liebe auf Erden verbindet, um Achtung vor der Heiligkeit der Natur. 

Wenn wir unser Volk lehren, aus der Natur Freude und Belehrung zu schaffen, so machen wir ihm die Heimat lieb. Heimatliebe und Vaterlandsliebe aber sind das beste Fundament für das Gedeihen und die Kraft eines Volkes. Wir brauchen Ideale für unser Volk. Wohlan, so geben wir sie ihm, geben wir ihm die Natur. Die Pflege der Ideale ist zugleich die größte Kulturarbeit, und wenn wir hierin den anderen Völkern ein Muster sein wollen, so muss das ganze Volk mit arbeiten, und soll die Kultur ihrer Aufgabe ganz erfüllen, dann muss sie bis in die untersten Schichten des Volkes hindurch gedrungen sein." (Wilhelm II, Juni 1898). 

Wer sich ernsthaft und anhaltend mit den Fragen des Naturschutzes beschäftigt hat, dem ist es nicht schwer, zu sagen, was alles geschehen müsste. Wir brauchen vor allem strenge gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der Natur. Unsere gesetzgebenden Körperschaften und Behörden sollten sich endlich einmal aufraffen und zeigen, dass sie wirklich der Natur Verwüstung Einhalt tun wollen. Die deutsche Reichsregierung sollte ihren mächtigen Einfluss aufbieten, um der Zerstörung und Vernichtung von Heimatschönheit entgegenzutreten. Als Friedrich der Große einst Wildnis und sumpfige Landstriche in fruchtbare Landschaft verwandelte und so gleichsam neue Heimatschönheit schuf, sagte er mit berechtigten Stolz: "Mitten im Frieden eine Provinz erobert!“. Wenn man heute sieht, wie Heimatschönheit auf Heimatschönheit hingeht, möchte man wohl mit Recht klagen: "Mitten im Frieden eine Provinz verloren!“ 

Ein „Naturdenkmal aller ersten Ranges“ ist auch unser Hönnetal. Wer das Glück hatte, die deutschen Lande durchwandern zu können, wird uns darin zustimmen müssen. In Westfalen nimmt das Hönnetal unstreitig den ersten Platz ein. Wir müssten wenigstens in unserer Provinz kein Stückchen Erde, das so hervorragend geeignet wäre, Ehrfurcht vor den Naturwundern und Liebe zur Heimat zu erwecken. Darum raffe dich auf "Land zwischen Rhein und Weserstrand" und schütze dein kostbarstes Kleinod. Die Stadt Menden hat bereits Einspruch erhoben, und es wäre zu wünschen, wenn noch recht viele Städte mit ihrem Protest gegen diesen "Kulturskandal" folgten. Auch der sauerländische Gebirgsverein mit seinen über 16.000 Mitgliedern wäre ganz besonders berufen, durch eine umfangreiche Agitation für das bedrohte Tal einzutreten. Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist, und jeder hat die Pflicht, mitzuhelfen. Wenn uns nicht der Fluch der Nachwelt treffen soll, müssen wir diese Schande von uns abwenden. Nichts wirkt hier vaterlandsfeindlicher als unterdrückte Kritik, handelt es sich doch nicht um die Wünsche einzelner, sondern um eine nationale Tat.